Review: Days Gone (PS4)

CoverIrgendwie bin ich ja ein wenig Zombie-müde: Kaum ein Genre ist derzeit so angesagt, sei es bei Spielen oder Serien. Ja selbst Game of Thrones ist ja durch die Armee der Untonen zombiefiziert . Deshalb war ich ein wenig skeptisch, ob Sonys neuer Exklusivtitel "Days Gone" nicht nur die Variation eines Themas darstellt, das meistens inhaltlich recht platt ist. Die Handlung von "Days Gone"  beginnt zwei Jahre nach einer weltweiten Pandemie, die beinahe alles Leben ausgelöscht und Millionen von Menschen in sogenannte „Freakers“ (Zombies halt) mutiert hat. Wir spielen Deacon St. John, einen ehemaliger „Outlaw“-Biker, der bei dem Ausbruch der Seuche seine Partnerin Sarah kurz nach der Hochzeit verloren hat. Von dem Verlust seiner Liebe verbittert, kämpft er sich als Kopfgeldjäger durch eine postapokalyptische Spielwelt, der sogenannten Farewell-Wildnis, die landschaftlich dem amerikanischen Bundesstaat Oregon nachempfunden ist. So weit, so Standard.

Das Spiel selber überrascht dann aber doch vor allem auf der erzählerischen Schiene und muss sich hinter Rockstars "Red Dead Redemption 2" in keinster Weise verstecken. Im Gegenteil: Ich finde die Geschichte, die dann weitreichend erzählt wird, noch etwas packender und abwechslungsreicher. Denn, wer gedacht hat, dass es in den vielen Stunden in der Wildnis um ein einziges Zombie-Schlachtfest handelt, wird zum Glück eines Besseren belehrt. Die Freakers sind nur der Teil einer großen Geschichte, die spielerisch weitaus mehr zu bieten hat. Das kommt dadurch zustande, dass die stets überzeugende Welt neben Untoten auch viele andere Wesen kreuchen und fleuchen. So gilt es Lager anderer Banden ausfindig zu machen und auszuräumen, zahlreiche Botendienste zu erledigen, einem geplagten Wissenschaftler zu helfen, das große Komplott um den Virus, der alles vernichtet hat, aufzudecken, und viele weitere Handlungsstränge zu entdecken. 

Der Star des Spiels ist aber das wechselnde Wettersystem. Während die Flora und Fauna in "Red Dead Redemption" deutlich lebhafter erscheint (obwohl auch bei "Days Gone" gerne einmal ein Bärenüberfall aus dem Nichts kommt), ist es absolut sehenswert, wie sich die Wetterlagen ändern und große Auswirkungen auf die Spielweise (und die Steuerung des Motorrades) hat. Ein Wintereinbruch mit Schnee, der sogar liegen bleibt (und später wieder wegtaut) oder ein fettes Gewitter (bei dem der Blitz überall einschlagen kann - auch in Zombies) - das sind Momente im Spiel, wo einem der Atem stecken bleibt. Grandios. Im Video unten kann man sich einen kleinen Eindruck von einem nächtlichen Winterausflug samt Zombie-Überfall machen.

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Überhaupt überzeugt die Grafik auf ganzer Linie, das Gameplay ist sehr rund, die vielen Bugs vom Start mittlerweile beinahe alle ausgemerzt. "Days Gone" ist zu großen Anteilen ein Survival-Spiel. Wer einmal mitten in der Pampa sein Bike leer gefahren hat und zu Fuß zur Tankstelle laufen muss (oder dabei auf eine Zombie-Horde trifft), wird schnell die Faszination dieses Stilmittels erkennen. Zu Beginn ist der Spritverbrauch der Bikes leider unrealistisch hoch, so dass man am Anfang eigentlich dauernd auf der Suche nach Benzin ist. Später kann man mit einem größeren Tank etwas aufrüsten, zu hoch bleibt der Verbrauch dennoch.

Der Sound ist super, die Zombies, kreischen, schmatzen und sabbern, dass es eine wahre Freude ist. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls exzellent - wie man es von einem Premium-Titel aber auch erwarten kann. Der Soundtrack von Nathan Whitehead ist hervorragend und erinnert nicht selten an Far Cry 5.

Was nervt? Die langen Ladezeiten zum Beispiel. Oder die manchmal unfairen automatischen Speicherpunkte. Unterm Strich bietet "Days Gone" aber deutlich mehr Post-Apokalypse als Fallout 76 zum Beispiel und ist dank seiner hervorragenden Story ein wunderbares Spiel, das man nach 100 Stunden Read Dead Redemption gerne in die Hand nimmt (und dann noch einmal 30-40 Stunden investieren kann bis man die Story beendet hat).

Fazit: Hervorragendes Open World-Spiel, das weit mehr als ein Zombie-Game ist